Konzeption, Funktion
Im Bestand des geförderten Wohnungsbaus der Wohnungsbau Ludwigsburg wurden zwei Geschosswohnungsbauten des gleichen Gebäudetyps aus dem Baujahr 1964 mit Dachaufstockungen erweitert. Bei der Auslobung eines Gutachtens von mehreren Architekturbüros wurde ein nachhaltiges Konzept mit Ausführung in Holzbauweise gewählt.
In der Enzstraße 18/20 in Ludwigsburg-Pflugfelden wurden 15 vorhandene Wohnungen mit Hilfe der Dachaufstockung um 5 weitere Wohnungen mit insgesamt 330 qm ergänzt. In der Adalbert-Stifter-Straße 19 in Ludwigsburg-Grünbühl wurden 12 vorhandene Wohnungen um 5 weitere Einheiten mit insgesamt 300 qm ergänzt. Bei den neuen Wohnungen wurden sowohl kleine Einheiten für Single-Haushalte als auch größere Familienwohnungen gebaut, die auf 30 Jahre öffentlich gefördert werden.
Städtebaulicher Aspekt, Einbindung in die Umgebung
Bei den aufgestockten Gebäuden handelt es sich um zweigeschossige, unterkellerte Baukörper mit einfacher, klarer Formensprache und der für die Bauzeit in den 1960er Jahren typischen Erschließung durch Laubengänge.
Bei den neuen Wohn-Dachgeschossen wurde lediglich die Kniestockhöhe von 0,25 m auf 1,00 m angehoben unter Beibehaltung der Dachneigung von 30 °. Die Erschließung der fünf neuen Wohneinheiten erfolgt über die vorhandenen Treppenhäuser und neue Laubengänge in langgestreckten Dachgauben. Diese wurden formal und farblich an die auskragenden Gauben/Balkone auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite angepasst.
Die jeweils ca. 10 m langen kubischen Dachgauben-Elemente auf der Süd- bzw. Westseite der Wohnungsbauten werden konstruktiv genutzt, um vorgehängte Balkone für die entstandenen Wohneinheiten zu ermöglichen. Eine hohe, wuchtig erscheinende Aufständerung der neuen Balkone wurde somit bewusst vermieden. Die gleichmäßige Lochfassade der darunterliegenden Geschosse bleibt unverändert erhalten.
Auf beiden Grundstücken wurden durch die Nachverdichtung keine zusätzlichen Flächen überbaut. Lediglich die vorgeschriebenen Stellplätze wurden mit Rasengittersteinen erstellt.
Qualität der neuen Wohnungen
Die Ausrichtung der Schlaf- und Wohnräume mit angegliederten Balkonen erfolgte nach Westen bzw. nach Süden, was der Belichtungs- und Aufenthaltsqualität zuträglich ist. Mit Hilfe von großzügigen Oberlicht-Fenstern werden Küche und Essbereiche der mittig angeordneten Wohnungen mit Tageslicht vom Laubengang her versorgt.
Die aus den unteren Geschossen vorgegebenen Kamine und Installationsschächte bestimmen die Anordnung der neuen Sanitärbereiche im Dachgeschoss. Um die bestehenden Wohnungen baulich nicht zu tangieren, mussten die Versorgungsleitungen zwingend hier angeschlossen werden.
Die beiden größeren Wohnungen mit Balkonen und Loggien an den Stirnseiten des Gebäudes sind jeweils dreiseitig orientiert. Sie haben durch die zusätzlichen Fenster auf den Giebelseiten Tageslicht aus drei Himmelsrichtungen.
Trotz der einschränkenden Rahmenbedingungen beim „Bauen im Bestand“ weisen die Wohnungen klar gegliederte Grundrisse und funktionale Raumanordnungen auf. Die Bauweise mit Massivholz-Wänden ermöglichte eine behagliche Wohnraumatmosphäre mit wertigen Sichtholz-Oberflächen.
Innovative Baukonstruktion, Tragwerk, optimierter Bauablauf
Die neuen Dachgeschosse in Massivholzbauweise mit elementierten Dachabschnitten ermöglichten einen sehr zügigen Baufortschritt, da die Bauteile vorgefertigt auf die Baustelle geliefert und innerhalb kurzer Zeit vor Ort montiert wurden.
Dies war in Bezug auf den Witterungsschutz und die Beeinträchtigung der genutzten unteren Wohnungen ein enormer Vorteil.
Die verwendeten Cross-Laminated-Timber (CLT)-Wandaufbauten bieten den Vorteil einer diffusionsoffenen Wand in Kombination mit hohen Wärmedämmeigenschaften und sind zudem ökologisch nachhaltig. Die hohe Tragfähigkeit der schichtverleimten Holzwerkstoffplatten ermöglicht schmale Wandaufbauten was zusätzlichen Wohnraum generiert.
Problemstellung bei beiden vorhandenen Gebäuden war, dass die letzte Geschossdecke keine zusätzlichen Lasten durch schwere Trennwände aufnehmen konnte, da sie ursprünglich nur für eine Nutzung als Bühne dimensioniert war.
Durch das Konzept, die selbsttragenden CLT-Platten jeweils nur auf die Außenwände aufzulasten und sogar für die Balkone auskragen zu lassen, konnte diese Schwierigkeit statisch gut gelöst werden, was diese Bauweise auch für vergleichbare Gebäudetypen ideal und richtungsweisend macht.
Nachhaltigkeit
Die Baukosten für beide Projekte lagen bei ca. 1,5 Mio Euro für die Dachaufstockung in der Enzstraße mit 330 qm zusätzlicher Wohnfläche inklusive Erschließung und ca. 1,2 Mio Euro für 300 qm in der Adalbert-Stifter-Straße. Bei dieser Betrachtung muss berücksichtigt werden, dass die 60 Jahre alten Dächer ohnehin hätten saniert werden müssen. Die industriell vorgefertigten, ökologischen Bauteile sind aufwändiger in der Herstellung und dadurch zunächst kostenintensiv. Ihre Verwendung hat jedoch den Vorteil, den Bauablauf deutlich verkürzen zu können, gegenüber einer konventionellen Bauweise. Die neuen Wohnungen konnten somit viel schneller bezugsfertig sein und Mieteinnahmen erwirtschaften. Der Zeitfaktor spielt somit bei der Kostenbetrachtung eine erhebliche Rolle.